Impact trifft Kooperation: Partnerships bei Wildplastic®

Wie kann aus Plastikmüll ein funktionierendes Geschäftsmodell mit messbarem Impact entstehen? Genau darum ging es beim Lunch & Learn mit Katrin Oeding. Die Mit-Gründerin von Wildplastic® sprach über Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Verpackungslösungen und die Herausforderung, ökologische Wirkung mit wirtschaftlicher Skalierung zu verbinden. Im Mittelpunkt standen die Entwicklung resilienter Materialkreisläufe, strategische Partnerschaften und die Frage, wie Unternehmen Nachhaltigkeit glaubwürdig und ohne Greenwashing umsetzen können.

J. Fischer

06 August 2026

Impact Roadshow

Katrin Oeding sprach bei unserem Lunch & Learn über Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Verpackungen und die Mission von Wildplastic®.

Wildplastic®: Wie Kreislaufwirtschaft zur Wachstumsstrategie wird

Wie können Unternehmen Plastikmüll nicht nur reduzieren, sondern als wertvolle Ressource neu denken? Genau darum ging es beim Lunch & Learn mit Katrin Oeding. Die Mitgründerin von Wildplastic® gab Einblicke in den Aufbau eines Unternehmens, das wildes Plastik aus der Umwelt zurück in den Wirtschaftskreislauf bringt – und zeigte, warum Kreislaufwirtschaft nur dann funktioniert, wenn ökologische Wirkung und wirtschaftliche Skalierung zusammengedacht werden.

Katrin Oeding, die zuvor bereits Studio Oeding sowie „Stop the Water While Using Me“ entwickelt und gegründet hat, verfolgt mit Wildplastic® einen klaren Ansatz: Das globale Plastikproblem soll nicht nur kritisiert, sondern durch funktionierende Produkte, starke Marken und belastbare Partnerschaften aktiv verändert werden.

Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass nachhaltige Innovation vor allem operative Exzellenz benötigt. Denn die größte Herausforderung liegt oft nicht in der Idee selbst, sondern in der Skalierung. Nur rund 9 Prozent des weltweit produzierten Plastiks werden aktuell recycelt, während ein Großteil außerhalb funktionierender Recyclingsysteme verbleibt. Gleichzeitig wächst der Druck auf Unternehmen: Konsument:innen achten zunehmend auf nachhaltige Verpackungen und auch regulatorisch steigen die Anforderungen. Die EU plant bis 2030 einen verpflichtenden Recyclinganteil von 35 Prozent in Verpackungen.

Wildplastic® arbeitet dafür mit Sammelorganisationen in Ländern wie Indien, Ghana und Indonesien zusammen. Vor Ort wird wildes Plastik gesammelt, sortiert, gereinigt und zu neuem Granulat verarbeitet. Daraus entstehen anschließend Produkte wie Versandtaschen oder Müllbeutel, die erneut in den Wirtschaftskreislauf integriert werden.

Besonders deutlich wurde, wie komplex echte Kreislaufwirtschaft in der Praxis ist. Unterschiedliche Materialstrukturen, wechselnde Qualitäten und industrielle Anforderungen machen intensive Forschung und Entwicklung notwendig. Projekte wie lebensmittelechte Hygieneverpackungen für Goldeimer oder spezielle Verpackungslösungen für Blume 2000 benötigten teils über anderthalb Jahre Entwicklungszeit. Das Unternehmen erfüllt die Anforderungen der EMPCO- und PPWR-Richtlinien und ist mit diesen konform.

Ein zentrales Thema war außerdem die Zusammenarbeit mit großen Partnern. Seit 2019 kooperiert Wildplastic® mit Otto, das vollständig auf Versandtaschen aus Wildplastic® umgestellt hat. Gemeinsam konnten bereits:

  • 1.477 Tonnen Plastik geborgen
  • 3.390 Tonnen CO2 eingespart
  • und über 29.000 Tage mit verbesserten Arbeitsbedingungen für Sammler*innen geschaffen werden.

Dabei gehe es laut Oeding nicht nur um Nachhaltigkeit als Marketinginstrument, sondern um transparente und nachvollziehbare Wirkung. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ sei durch Greenwashing vieler Unternehmen zunehmend entwertet worden. Entscheidend seien deshalb klare Daten, belastbare Fakten und ehrliche Kommunikation statt Buzzwords.

Auch die Bedeutung von Netzwerken und langfristigen Partnerschaften zog sich durch das Event. Neue Kooperationen entstehen häufig über persönliche Kontakte, Branchenveranstaltungen oder direkte Produktdemonstrationen. Statt theoretischer Konzepte müsse gezeigt werden, dass Material und Prozesse tatsächlich funktionieren. Gleichzeitig dauern B2B-Kooperationsprozesse oft ein bis anderthalb Jahre, da große Unternehmen hohe Anforderungen an Lieferketten, Qualität und Skalierbarkeit stellen.

Neben den operativen Einblicken sprach Katrin Oeding auch offen über die unternehmerische Realität hinter Impact Startups: gescheiterte Projekte, komplexe Entwicklungsprozesse und den kontinuierlichen Aufbau professioneller Strukturen. Wildplastic® befindet sich aktuell in einer Phase der Professionalisierung – mit erweitertem Sales-Team, stärkerem Qualitätsmanagement und dem Ausbau strategischer Partnerschaften.

Die wichtigsten Learnings für Gründer*innen:

  • Nachhaltigkeit braucht funktionierende Geschäftsmodelle
  • Kreislaufwirtschaft beginnt bei belastbaren Prozessen
  • Partnerschaften entstehen durch Vertrauen und Transparenz
  • Wirkung muss messbar und nachvollziehbar sein
  • Skalierung erfordert Geduld, Forschung und operative Stabilität
  • Netzwerke und persönliche Beziehungen bleiben entscheidend

Das Lunch & Learn zeigte, dass Kreislaufwirtschaft weit mehr ist als Recycling. Wirklicher Impact entsteht dort, wo ökologische Innovation, wirtschaftliche Machbarkeit und langfristige Zusammenarbeit zusammenkommen.

Weitere Veranstaltungen und Formate unserer Impact Roadshow findest hier.

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