Wie wird zirkuläres Design rentabel? 12 Jahre Praxis mit SHIFT
Zirkuläres Design klingt in der Theorie überzeugend – doch wie lässt sich daraus ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln? Und was passiert, wenn Reparierbarkeit, faire Lieferketten und Rücknahme nicht nur Nachhaltigkeitsziele, sondern Teil der Unternehmensstrategie werden?
J. Fischer
23 September 2026
Impact Roadshow

In unserem Online-Event hat Samuel Waldeck, Mitgründer von SHIFT, Einblicke in zwölf Jahre unternehmerische Praxis gegeben. Ehrlich, konkret und ohne Hochglanz: von werkzeuglos wechselbaren Akkus und eigenen Produktionsstrukturen über Reparaturumsätze und Gerätepfand bis hin zu den langfristigen Kreislaufzielen des Unternehmens.
Zirkuläres Design muss sich im Alltag bewähren
Bei SHIFT beginnt Kreislauffähigkeit nicht erst am Ende des Produktlebenszyklus. Sie wird bereits beim Design mitgedacht. Die Produkte sind so entwickelt, dass zentrale Komponenten möglichst einfach repariert und ausgetauscht werden können.
Der Akku lässt sich beispielsweise werkzeugfrei in wenigen Sekunden wechseln, das Display kann in weniger als fünf Minuten getauscht werden. Rund die Hälfte der Kundschaft repariert ihre Geräte laut SHIFT sogar selbst.
Hinter diesem Ansatz steckt eine einfache Frage: Wie kann ein Produkt so gestaltet werden, dass es möglichst lange genutzt werden kann?
Reparatur als Teil des Geschäftsmodells
Langlebigkeit allein macht ein Unternehmen noch nicht rentabel. Deshalb ist interessant, wie SHIFT die verschiedenen Bestandteile der Kreislaufwirtschaft wirtschaftlich miteinander verbindet.
Der Direktverkauf der Geräte ist weiterhin der größte Umsatztreiber. Gleichzeitig machen Reparaturen rund 15 Prozent des Umsatzes aus. Für die Rückgewinnung gebrauchter Geräte setzt SHIFT unter anderem auf Gerätepfand und Rückkaufwerte.
Damit wird aus dem vermeintlichen Ende eines Produktlebenszyklus ein weiterer Punkt innerhalb des Geschäftsmodells.
Die Lieferkette nicht auslagern, sondern mitgestalten
Auch bei der Produktion setzt SHIFT auf einen ungewöhnlichen Ansatz. Statt die gesamte Fertigung auszulagern, betreibt das Unternehmen eine eigene Fertigung in Hangzhou und versucht, die Bedingungen innerhalb der Lieferkette aktiv mitzugestalten. Dazu gehören faire Arbeitsbedingungen ebenso wie das Engagement in der European Partnership for Responsible Minerals und die Zusammenarbeit mit Closing the Loop in Ghana.
Die Grundidee dahinter: Wer kreislauffähige Produkte entwickeln will, muss sich auch mit den Rohstoffen, Produktionsbedingungen und Rückführungswegen auseinandersetzen.
Von der Reparatur zum langfristigen Kreislauf
SHIFT denkt Zirkularität nicht nur auf der Ebene einzelner Produkte. Mit den 13 SHIFT Cycles hat das Unternehmen einen eigenen Rahmen entwickelt, der unterschiedliche Dimensionen des Unternehmens und seiner Produkte zusammenführt. Dazu gehört auch die Frage, wie lange Software ein Gerät unterstützen kann. SHIFT plant Software-Support bis 2036 und arbeitet an einem digitalen Produktpass, Softwareupdates und DDP gelten für das SHIFTphone 8.
So wird aus der Frage „Wie lange hält ein Smartphone?“ eine umfassendere Frage: Wie lange kann ein Produkt relevant, reparierbar und nutzbar bleiben?
Zirkularität endet nicht beim Smartphone
Der SHIFT-Ansatz geht inzwischen über Elektronik hinaus. Mit Relief fließt die unternehmerische Arbeit auch in konkrete Projekte vor Ort – beispielsweise in ein saniertes Dorfhaus mit Café und Laden. Insgesamt standen 290 Hektar zum Verkauf. Zu unserer Erlebnismühle Singlis gehören rung 9 Hektar. Der Rest der Flächen ging an die anderen in der Bietergemeinschaft.
Damit erweitert sich der Blick auf zirkuläres Wirtschaften: Es geht nicht nur darum, Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten, sondern auch darum, welche sozialen und ökologischen Systeme ein Unternehmen mit seinem wirtschaftlichen Handeln beeinflussen kann.
Was bedeutet das für Startups?
Besonders spannend wurde die Diskussion dort, wo es um die unternehmerische Realität ging. In der Runde kamen Fragen zum Umgang mit Krisen, zu Investoren und zur Sichtbarkeit am Markt auf.
Denn zirkuläres Design stellt Startups vor besondere Herausforderungen: Produkte müssen anders entwickelt, repariert und zurückgenommen werden. Lieferketten müssen transparenter werden. Gleichzeitig braucht es ein Geschäftsmodell, das diese zusätzlichen Aufgaben wirtschaftlich trägt.
Die Erfahrungen von SHIFT zeigen dabei vor allem eines: Zirkularität ist kein einzelnes Feature, sondern eine unternehmerische Entscheidung, die Produktdesign, Lieferkette, Service, Finanzierung und langfristige Strategie miteinander verbindet.
Weitere Veranstaltungen und Formate unserer Impact Roadshow findest du hier.
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