Der Klimawandel auf dem Teller

Kein Kaffee, Kakao oder Orangensaft mehr - so könnte sich der Klimawandel bereits in naher Zukunft auf unser Konsumverhalten auswirken. Denn bereits jetzt bekommen Landwirt:innen die Folgen des Klimawandels deutlich zu spüren - und das wirkt sich natürlich auch darauf aus, was auf unseren Tellern landet.

Natalie Leger

05 May 2026

Ernährung

Klima

Konsum

Blauer Teller mit einem Stück Orange

FOLGEN FÜR DIE LANDWIRTSCHAFT

Laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft sind bereits heute anerkannte Folgen des Klimawandels in Deutschland bekannt. Diese sind ein Anstieg der Temperatur, vermehrte Trockenphasen, häufige Niederschläge im Winter, die Anzahl der Frosttage nimmt ab, wohingegen die Anzahl heißer Tage deutlich zunimmt. Durch den Anstieg der Temperatur verschiebt sich das Anbauspektrum im Pflanzenbau, sodass der Vegetationsbeginn vieler Pflanzen früher stattfindet. So blühen zum Beispiel Apfelbäume und Raps inzwischen 20 Tage früher als noch vor 50 Jahren.

Nässe

Während Nässeperioden leiden Pflanzen unter Sauerstoffmangel – bei langen Perioden können sie sogar faulen. Außerdem sind durchnässte Böden schwer befahrbar, was Aussaat und Ernte erschwert. Tage mit zu hoher Bodenfeuchte treten vor allem im Westen und Süden Deutschlands und in Teilen Norddeutschlands auf. Insbesondere im Frühjahr und Herbst zeigen sich dabei jedoch deutliche Unterschiede in der regionalen Niederschlagsverteilung.  

Trockenheit

Wenn der Wassergehalt des Bodens unter einen kritischen Wert sinkt, können sich Pflanzen über die Wurzeln nicht ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgen und es kann zu irreparablen Schäden kommen. Pflanzen mit flachen Wurzeln – zum Beispiel Kartoffeln – reagieren darauf naturgemäß sensibler als tiefer wurzelnde Pflanzen wie Spargel. Studien zeigen, dass die Anzahl der trockenen Tage bereits in der Vergangenheit zunahm und Klimaprojektionen zufolge noch weiter zunehmen wird: Vor allem in den Monaten Juli bis September ist künftig mit mehr trockenen Tagen zu rechnen.

Spätfrost

Frost, der nach Beginn einer Vegetationsperiode auftritt, stellt für viele Kulturpflanzen eine erhebliche Bedrohung dar. Besonders empfindlich reagieren Weinreben, Obst und Mais, während Speisezwiebeln und Zuckerrüben recht robust sind. Durch den Klimawandel nimmt das Risiko von Spätfrost im April und Mai generell ab. Da sich jedoch gleichzeitig der Vegetationsbeginn verfrüht, können besonders empfindliche Wachstumsstadien wiederum verstärkt in spätfrostgefährdeten Zeiträumen auftreten.

Hitze

Hohe Temperaturen bedeuten Stress für Pflanzen: Die Kornzahl und -qualität von Getreide nimmt ab, Obst und Weinreben sind anfällig für Sonnenbrand, andere Pflanzen erleiden Qualitätseinbußen. Expert:innen rechnen damit, dass sich bis zum Ende dieses Jahrhunderts die Zahl der heißen Sommertage im Vergleich zum Zeitraum 1961–1990 verdrei- oder sogar vervierfachen wird.

VOR- UND NACHTEILE

Diese Folgen bringen zwar beispielsweise den Vorteil mit sich, dass Gemüse oft zweimal im Jahr geerntet werden kann oder dass Mais inzwischen auch in nördlichen Gebieten Deutschlands hohe Erträge erzielt. Allerdings überwiegen die durch die Erderwärmung entstehenden Nachteile deutlich: Beispielsweise macht die frühe Blüte der Obstbäume diese anfälliger für Spätfrost. Milde Winter führen dazu, dass sich pflanzenschädigende Pilze, Viren und Insekten stärker ausbreiten. Die zunehmende Anzahl von Hitzetagen bedeutet deutlich mehr Stress für Kulturpflanzen, wodurch unter anderem die Qualität abnimmt, Obst und Weinreben anfälliger für Sonnenbrand sind und Karotten bitterer werden.

WAS VERÄNDERT SICH FÜR LANDWIRT:INNEN?

Um die Ertragseinbußen durch Hagel, Spät- und Starkfrost, Starkregen oder Dürre zu mildern, ergreifen Landwirt:innen vorbeugende Maßnahmen. Dazu gehören Frostschutz-Vorkehrungen, Hagelschutznetze im Obstbau, Bewässerungsanlagen für Kartoffeln und Absicherungen gegen Folgen der extremen Witterungen. Der Anbau wird dadurch umständlicher und kostenintensiver.

WIRKT SICH DER KLIMAWANDEL AUF UNSER ESSVERHALTEN AUS?

Ganz klar, ja! Das wohl deutlichste Beispiel in Deutschland ist der Eiswein. Der milde Winter vor zwei Jahren (2019/2020) hat dazu geführt, dass es in keinem Weinbaugebiet in Deutschland kalt genug für die Eisweinlese war. Nirgendwo wurde die erforderliche Mindesttemperatur von minus sieben Grad erreicht. Außerdem werden bestimmte Lebensmittel zeitweise teurer oder können gar nicht mehr angeboten werden. Orangen werden beispielsweise zum großen Teil in Brasilien angebaut. Dort müssen die Pflanzen intensiv bewässert werden, was in den 80er-Jahren noch nicht nötig war. Für einen Liter Orangensaft werden inzwischen rund 22 Liter Wasser benötigt, wodurch der Anbau und die Produktion aufwendiger und somit das Produkt teurer wird. Auch Kaffee und Kakao könnten in Zukunft zum Luxusgut werden. Aufgrund von steigenden Temperaturen lassen die Erträge nach und Anbaugebiete schrumpfen. Mal regnet es zu viel, mal zu wenig und auch in den Nächten kühlt es nicht stark genug ab, was Voraussetzung für guten Kaffee ist.

Die Auswirkungen des Klimawandels beeinträchtigen die Ernährungssicherheit in vielen Teilen der Welt immer stärker. Vor allem Dürren und Überschwemmungen sorgen für Hunger und Mangelernährung. Expert:innen sagen für Afrika und Teile Asiens einen Rückgang der Ernteerträge wichtiger Grundnahrungsmittel wie Mais, Reis und Weizen voraus. Das ist besonders für die überwiegende Mehrheit an Kleinbäuerinnen und Kleinbauern katastrophal, da es für sie immer schwerer wird, ihren Eigenbedarf an Nahrungsmitteln zu decken. Zusätzlich könnten dadurch Weltmarktpreise für Weizen auf das Vierfache ansteigen.

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