Wie nachhaltig sind Lieferketten wirklich?
Etwa 80 % aller Waren, die auf der Welt gehandelt werden, gehören zu einer globalen Wertschöpfungskette. Das hat Konsequenzen: Viele Rohstoffe und Produkte werden unter schlechten Umwelt- und Arbeitsbedingungen abgebaut und hergestellt. Oft auch von Kindern. Wusstest du, dass weltweit 79 Millionen Mädchen und Jungen von Kinderarbeit betroffen sind? Und dass vom Preis eines Marken-Shirts nur 0,6 % an die Person gehen, die es genäht hat? Wirklich fair ist das nicht.
J. Fischer
05 May 2026
Konsum

Dabei hat eine Lieferkette aber nicht nur Einfluss auf die Menschenrechte, sondern auch auf die Umwelt. Für den „Supply Chain Report“ befragte die Non-Profit-Organisation CDP 13.000 Unternehmen und fand heraus, dass ihre Zulieferer fünfmal so viel CO2 verursachen wie die Konzerne selbst. Mit dem unaufhörlichen Drang nach Wirtschaftswachstum steigt auch der Rohstoffbedarf und immer mehr natürliche Ökosysteme werden in Agrar- und Abbauflächen umgewandelt. Das beschleunigt das Artensterben und den Klimawandel. Besonders vielimportiert übrigens die EU: sie ist dadurch auch indirekt für 10% der weltweiten Entwaldung verantwortlich.
Es muss sich was ändern. Zum einen indem wir anders konsumieren und zum anderen, dass endlich klare gesetzliche Grundlagen für eine nachhaltige Lieferkettegeschaffen werden.
Was macht die Politik?
Ab 2023 soll das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz in Kraft treten. Es gilt dann zunächst nur für Großunternehmen mit mehr als 3.000 Beschäftigten, ab von 2024 auch für Unternehmen ab 1.000 Mitarbeiter*innen.
Das Ziel: in globalen Lieferketten soziale Mindeststandards durchsetzen und Umweltzerstörung, Zwangs- und Kinderarbeit vermeiden. Deutsche Unternehmen sind dann für die Vorgänge auch ihrer unmittelbaren Zulieferer verantwortlich – vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt. Eine weitergehende Lieferkettenbetrachtung der mittelbaren Zulieferer gibt es nur in besonderen Fällen, etwa wenn das Unternehmen von Menschenrechtsverletzungen in seinem Bereich Kenntnis hat. Überwacht wird die Einhaltung vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Dort werden die Unternehmensberichte kontrolliert und eingereichten Beschwerden nachgegangen. Auch Bußgelder können verhängt werden.
…und wie können wir als Verbraucher*innen eine nachhaltige Lieferkette unterstützen?
SO KANNST DU NACHHALTIGE LIEFERKETTE ERKENNEN:
Unzählige Beteiligte sorgen dafür, dass ein Produkt am Ende fertig ist und funktioniert: über 450 Millionen Menschen sind in den globalen Wertschöpfungsketten beschäftigt. Kann es hier noch Transparenz geben? Für immer mehr Verbraucher:innen ist das ein Muss. Sie wollen wissen, woher die Bestandteile eines Produktes stammen und ob diese nachhaltig gewonnen oderhergestellt wurden. Oder wie groß der CO2-Fußabdruck ist, den ein Produkt hinterlässt. Oder wie gut es den Menschen geht, die an der Produktion beteiligt waren. Eine transparente und nachhaltige Lieferkette ist dir wichtig? Das kannst du tun, bevor du kaufst:
Informationen suchen.
Was sagt das Unternehmen zur Herkunft seiner eingesetzten Ressourcen und Materialien? Woher kommen sie? Wie gut kennt das Unternehmen seine Zulieferer? Nach welchen Werten wählt es seine Zulieferer aus? All diese Fragen können Unternehmen freiwillig beantworten.
Du findest nicht die Informationen, die du brauchst? Dann greif im Zweifelsfall einfach zum Hörer und frag nach. Du bekommst keine – oder keine zufriedenstellenden Antworten? Dann lass am besten die Finger vom Produkt und suche nach einem Anbieter mit einer transparenten und nachhaltigen Lieferkette.
Gütesiegel anschauen.
Es gibt in den einzelnen Branchen auch Gütesiegel, die sich mit einer fairen Produktion auseinandersetzen. In der Mode beschäftigt sich der Global Organic Textile Standard (kurz: GOTS) damit. Bei Lebensmitteln gibt es seit kurzem das We Care-Siegel. Gut bekannt sind auch das Fairtrade-Siegel oder die Kennzeichnungen „Gepa fair+“ oder „Naturland fair“.
Diese drei Faktoren sind ein Indiz für fair gehandelte Produkte:
1. Das Produkt wird in einem Weltladen verkauft.
Hier musst du nicht lange suchen. Denn (fast) alle Produkte, die hier im Regal liegen, stammen aus fairem Handel.
2. Das Produkt stammt von einer fairen Marke.
Sogenannte Fair-Handels-Unternehmen sind entweder Mitglied in der World Fair Trade Organization (WFTO) oder sie wurden vom Weltlanden-Dachverband überprüft. Diese Unternehmen betreiben ausschließlich fairen Handel. GEPA, El Puente oder Welt Partner gehören zum Beispiel dazu.
3. Das Produkt trägt ein faires Siegel.
Es gibt einige Siegel, die Produkte beschreiben, die nach den Richtlinien des fairen Handels hergestellt wurden. Sie sind vor allem auf Produkten zu finden, deren Hersteller nur einen Teil der Ware als „fair“ zertifizieren. Dazugehören das Fairtrade-Siegel, Fair for Life und das Naturland Fair-Siegel.
Lokal ist besser als global.
Als Faustregel gilt: je näher der Ursprung des Produkts, desto besser. Denn dann fallen nicht nur lange und energieaufwendige Transportwege weg – die Lieferkette wird auch vielüberschaubarer und du kannst besser nachvollziehen, wer, wann, wie an deinem Produkt mitgewirkt hat. Außerdem gibt es – im Vergleich zu anderen Ländern – in Deutschland und in der EU strengere Regeln, wenn es um Arbeitsbedingungen und Bezahlung geht.
Nachhaltigkeitsberichte lesen.
Immer mehr Unternehmen sind verpflichtet, Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen. Darin wird zum Beispiel dokumentiert, wie nachhaltig die Produktgestaltung ist, wie energieeffizient gearbeitet wird oder wie verantwortungsvoll der Umgang mit Mitarbeitenden ist. Hier ist es wichtig, nach Informationen zu suchen, die über das Unternehmen hinausgehen: Also wie offen spricht das Unternehmen über faire Arbeitsbedingungen, Umweltfreundlichkeit und Qualität bei seinen Produzenten und Materiallieferanten? Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden sind zu einem Nachhaltigkeitsbericht verpflichtet – und müssen die ökologischen und sozialen Kosten auf jeder Stufe beleuchten. Ab 2024 soll außerdem eine neue Berichtspflicht („Corporate Sustainability Reporting Directive“) in Kraft treten. Mit ihr müssten dann fast 50.000 (statt bisher 11.600) Unternehmen ihre Tätigkeiten im Bereich Nachhaltigkeit dokumentieren.
Von gemeinwohl-zertifizierten Unternehmen kaufen.
Einige Unternehmen nehmen ihr nachhaltiges und soziales Wirken besonders ernst – und orientieren sich an den Kriterien der Gemeinwohl-Ökonomie. Das ist auch ein gutes Indiz für eine nachhaltige Lieferkette, denn in einer Gemeinwohlbilanz werden neben dem ökologischen Impact auch andere Werte berücksichtigt, wie zum Beispiel Menschenwürde und Gerechtigkeit, Mitbestimmung und Transparenz. Und diese Gemeinwohlbilanz wird von unabhängigen Auditor*innen überprüft und bewertet.
Social Businesses unterstützen.
Auch einem Social Business geht es nicht primär um den Gewinn, sondern darum, bei der Lösung eines gesellschaftlichen Problems mitzuwirken. Es geht ihm um Themen wie Klimawandel, Armut oder Bildung. Wer die Dienstleistung oder das Produkt eines solchen Unternehmens kauft, investiert damit gleichzeitig in eine größere, guteSache – und in der Lieferkette wird – in der Regel – konsequenterweise auch auf mehr Nachhaltigkeit geachtet.
DIE ETEPETETE LIEFERKETTE
Etepetete liefert euch Bio-Obst und -Gemüse direkt vor die Haustür.
Warum? Ganz einfach, weil das die perfekte kurze Lieferkette ist.
Mehr dazu findest du hier: https://etepetete-bio.de/lieferkette

Weitere Infos unter: www.lieferkettengesetz.de / www.bmz.de
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